Warum viele Wildpflanzen im Winter besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe haben

27.01.2026

Die unterschätzte Kraft der kalten Jahreszeit

Der Winter gilt oft als pflanzenarme Zeit – dabei ist er aus Sicht der Pflanzenchemie besonders spannend. Viele Wildpflanzen bilden gerade im Winter und in der kalten Übergangszeit besonders hohe Mengen an sekundären Pflanzenstoffen. Diese Stoffe sind keine Nebensache, sondern sind eine zentrale Überlebensstrategien der Pflanzen. Diese Inhaltstoffe können für uns Menschen hochwirksam sein.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, warum Kälte, Frost und Lichtmangel Pflanzeninhaltstoffe "konzentrierter" machen, welche Stoffgruppen dabei eine Rolle spielen und warum Winter-Wildpflanzen traditionell als besonders kräftigend galten.

Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

Sekundäre Pflanzenstoffe sind bioaktive Verbindungen, die Pflanzen nicht für Wachstum oder Energiegewinnung brauchen, sondern für:

  • Schutz vor Kälte, UV-Strahlung und Trockenstress

  • Abwehr von Fressfeinden, Pilzen und Bakterien

  • Regulation von Zellschutz und Stoffwechsel

Zu den wichtigsten Gruppen zählen:

  • Polyphenole (z. B. Flavonoide, Gerbstoffe)

  • Bitterstoffe

  • ätherische Öle

  • Senfölglykoside

  • Schleimstoffe

Gerade viele winteraktive oder überwinternde Wildpflanzen sind reich an diesen Stoffen.

Winterstress = höhere Wirkstoffkonzentration

1. Kälte als Stressfaktor

Kälte verlangsamt das Wachstum – die Pflanze investiert weniger in Masse, aber mehr in Schutzmechanismen. Sekundäre Pflanzenstoffe wirken dabei wie:

  • Frostschutz auf zellulärer Ebene

  • Antioxidantien gegen Kältestress

  • Membranstabilisatoren

2. Weniger Wachstum, höhere Dichte

Im Sommer wachsen Pflanzen schnell und "verdünnen" ihre Inhaltsstoffe durch Zellstreckung. Im Winter passiert das kaum. Die vorhandenen sekundären Pflanzenstoffe liegen daher konzentrierter vor.

3. UV-Strahlung bei Kälte

Die Wintersonne und die Kälte sind für Pflanzen eine besondere Herausforderung. Viele reagieren darauf mit erhöhter Bildung von:

  • Flavonoiden

  • Anthocyanen

  • anderen UV-schützenden Polyphenolen

Diese Stoffe wirken beim Menschen oft:

  • antioxidativ

  • entzündungshemmend

  • zellschützend

Beispiele winterlicher Wirkstoffpflanzen

  • Gänseblümchen – reich an Saponinen und Bitterstoffen

  • Vogelmiere – Mineralstoffe + Flavonoide

  • Taubnessel – Schleimstoffe und Polyphenole

  • Schafgarbe – Bitterstoffe, ätherische Öle

  • Fichtennadeln – Terpene, Vitamin C, antioxidative Stoffe

Diese Pflanzen wurden traditionell im Winter gesammelt, nicht trotz, sondern wegen der Jahreszeit.

Wer Wildpflanzen im Winter nutzt, greift auf hochwertiges, ursprüngliches Pflanzenwissen zurück – und auf Pflanzen, die gelernt haben, unter schwierigen Bedingungen ihre stärksten Seiten zu entwickeln. 

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